Sossusvlei – im Allgemeinen und im Speziellen

5.8. Tagestour für unvergessene Bilder

Auf die Dünen und vor allem das Deadvlei mit den versteinerten Bäumen war ich besonders gespannt. Wenn man mich vorher gefragt hätte, wäre das eines der „Must-Haves“ gewesen.  Ich kann an dieser Stelle schon sagen, dass alle (hochgesteckten) Erwartungen erfüllt, ja sogar übertroffen wurden.

Aufbruch in der Nacht

Vor Sonnenaufgang aufgestanden, fuhren wir zur Rezeption, um unser Lunchpaket abzuholen und eine kleine Stärkung (Müsli und Kaffee) zu uns zu nehmen. Kurz vor Sonnenaufgang fuhren wir dann auch in Richtung Sesriem. Die Straße machte ziemlich zu schaffen, denn sie war in einem erbärmlichen Zustand; der „Motorgrader“ (Caterpillar hat da eine nette Auswahl im Portfolio), der uns entgegen kam, schob zwar die größten Schlaglöcher und Unebenheiten zusammen, auf dem Rückweg bemerkten wir von der verrichteten Arbeit jedoch kaum etwas.

Nach einigen Kilometern muss man rechts in Richtung Nationalpark abbiegen. Die Qualität der Straße wurde noch einmal ein gutes Stück schlechter und oft mussten wir wirklich größeren Schlaglöchern ausweichen. Der von uns rechte Teil der Straße war in merklich besserem Zustand, dort zu fahren war jedoch nicht wirklich möglich: Dies lag jedoch nicht am Gegenverkehr (wer will um die Zeit schon vom Park weg fahren, wenn er nicht dort übernachtet hat). Nein, wir wurden des Öfteren von größeren Geländewagen in halsbrecherischem Tempo überholt. Der eine oder andere Stein landete auf der Motorhaube – zum Glück ist der Windschutzscheibe nichts passiert.

Auf zu den Dünen

Vor dem Park gab es dann noch den obligatorischen Boxenstopp in Sesriem (’nuff said) und die Bezahlung der Parkgebühr. Danach ging es dann weiter – zum Glück auf einer sehr guten Asphaltstrecke, so dass die ersten 45km der weiteren Reise sehr bequem waren. Dort angekommen machten wir uns daran, die bekannte „Düne 45“, ja – der Name kommt vom entsprechenden Kilometer der Parkroute.

Im letzten Sommer waren wir in Arcachon auf der Dune de Pilat – auch eine sehr hohe Düne. Hier war die Besteigung meiner Meinung nach nicht so anstrengend, weil sich der Sand beim Auftreten schneller verfestigte und somit besseren Halt gab. Hier, an der Düne 45 war die beste Idee, in die Fußstapfen des Vorgängers zu treten, damit man nicht bei jedem Schritt wie im Pudding tritt.

Trotz der noch kühlen Temperaturen waren wir gut durchgeschwitzt, und das, obwohl wir nur eine knappe halbe Stunde für den Aufstieg benötigten. Inzwischen war es kurz nach neun Uhr – von viel Publikum konnte jedoch keine Rede sein; für gut zehn Minuten, die wir dort saßen, waren wir alleine. Da wir noch zum Dead Vlei wollten, machten wir uns dann langsam wieder auf den Rückweg. Hier nahmen wir den seitlichen Weg hinab und umrundeten die Düne dann unten in Richtung Parkplatz. Nach einem kurzen Frühstück ging es dann weiter.

Dead Vlei

Zum Dead Vlei – ebenso wie zu den Dünen Big Daddy und Big Mama – ging es nur über eine weniger gut ausgebaute Straße. Eher gesagt war hier Tiefsandfahren angesagt, was ich mir mit dem kleinen Renault Duster dann doch nicht antun wollte. Stattdessen nahmen wir den Shuttle-Service im Jeep. Keine schlechte Entscheidung, denn schon auf dem Hinweg sahen wir einen der anderen Shuttle-Jeeps, bei dem der Fahrer wohl etwas unvorsichtig war und gerade auch mit seinem festgefahrenen Wagen zu kämpfen hatte.

In der Nähe der Dead Vlei wurden wir mit einer Richtungsangabe losgeschickt. Okay, immer den anderen Touristen nach. Hier war es schon etwas voller, das konnte ja heiter werden.

Die Dead Vlei zu beschreiben ist eigentlich unmöglich. Laut Reiseführer  ist es eine Salzpfanne, in der abgestorbene Bäume umringt von großen rotbraunen Dünen (u.a. direkt auch Big Daddy) stehen. Ein ehemaliger Flusslauf halt. Dort zu sein ist schon etwas sehr Besonderes, denn so eine Gegend bekommt man sicher auf der ganzen Welt so kein zweites Mal zu sehen. Fotos können eine grobe Ahnung vermitteln, aber auf keinen Fall das Gefühl einfangen, dort zu sein. So muss jeder selbst entscheiden; für mich war dort sicher einer der Höhepunkte meines Reiselebens. Ebenso wie beim Antelope Canyon war hier die Vorfreude sehr groß, und sie wurde auch hier nicht enttäuscht, ja sogar übertroffen.

Obwohl viele Touristen unterwegs waren und die Temperaturen schon über 30°C stiegen, war es recht angenehm hier und vor allem: Es war gar kein Problem, gute Bilder zu schießen. Ich war echt davon ausgegangen, dass die wirklich coolen Bilder nur von professionellen Filmcrews mit abgesperrtem Gebiet zu machen sind. Mit etwas Geduld (und das bedeutet nicht mehrere Minuten Wartezeit, bis das Motiv frei wird)  kommt man schnell zu seinem Bild. Sehr erfreulich.

Solitaire Desert Farm

Kurz nach Mittag machten wir uns dann auch auf den Weg zurück nach Solitaire.  Den Sesriem Canyon erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Im Vergleich zum bis dahin Gesehenen ist er leider meiner Meinung nach nicht lohnenswert.

Im Soft Adventure Camp holten wir noch kurz unser Gepäck und fuhren dann über den Umweg Solitaire Downtown zur nahe gelegenen Solitaire Desert Farm Hotel. Naja, Hotel, Tankstelle und McGregor’s Bakery sind alles, was Downtown ausmacht. Von den Erdmännchen abgesehen.  Der Apfelstrudel in der Bäckerei kann sich mit ziemlicher Sicherheit wirklich als bester Apfelstrudel/Apfelkuchen südlich des Äquators rühmen. Da haben wir in Deutschland und Österreich schon schlechteres bekommen 🙂

Die Desert Farm ist sehr hübsch gelegen und sichtlich mit Können und Liebe gestaltet. Hier hätten wir es noch die eine oder andere Nacht aushalten können. Und ja, der Pool war zu kalt, um ihn kurz vor Sonnenuntergang zu nutzen…

Durch die Wüste

4.8. Reise von Windhoek nach Solitaire

Zugegeben, ganz so episch wie in Karl Mays Beschreibungen sollte es dann doch nicht zugehen, aber frisch in Afrika angekommen stellte sich schon eine gewisse Euphorie ein. Gleich zu Anfang der Reise sollte es nach Solitaire und damit an den Rand der Namib Wüste gehen. Neben den Tieren – und da soll es in Afrika ja noch einige andere Länder geben, die so etwas haben – sind die Bilder der Namib Wüste mit ihrem rötlichen Sand wohl jedem bekannt.

Auto-matisch?

Nach einem guten Frühstück im Hotel Pension Steiner – besonders erwähnenswert sei hier das selbstgebackene(?) Vollkornbrot, das erstaunlich lange satt machte – machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu Europcar.

Nach vielleicht fünfzehn Minuten Fußweg (von denen wir sicher fünf Minuten damit verbrachten eine recht befahrene Kreuzung mit irgendwie falsch beschalteten Fußgängerampeln zu überqueren) erreichten wir das Büro von Europcar. Nach dem etwas langwierigeren Papierkram ging es an die Übernahme des Wagens. Und hier fing ein kleiner Teil des Spaßes an – und wieder einmal hatte FTI seine Finger im Spiel. Den anderen Punkt spreche in bei Gelegenheit im Blog an.

Zunächst einmal war der Wagen in Südafrika zugelassen, eine Tatsache, die später noch zu einiger kostenträchtiger Bedeutung führen sollte; direkter Einfluss war zunächst einmal, dass das eingebaute Navigationssystem natürlich eine Karte von Südafrika installiert hatte. Und von so ziemlich allen Ländern, in die wir NICHT reisen wollten. Aus dem Voucher und der Bestätigung von FTI ging natürlich ebenfalls nicht hervor, dass wir ein Navigationssystem gebucht hatten. Aus Kulanz gab man uns ein mobiles TomTom Gerät, das sich jedoch nach sehr kurzer Zeit als unbrauchbar erwies. Fast keins der eingegebenen Ziele war dem Gerät bekannt, zudem war der Akku hin, so dass wir es permanent per Kabel laden mussten. Ab dem zweiten Tag fuhren wir dann mit meinem iPhone, auf dem ich das dort installierte TomTom Go in weiser Voraussicht mit einer Afrika-Karte versehen hatte. Zusätzlich hatte ich noch „here we go“ mit Namibia-Offlinekarte installiert; damit kamen wir sehr gut voran.

Weiter ging’s mit den Unannehmlichkeiten: Der Wagen hatte kein Automatikgetriebe, wie bestellt – und bezahlt. Die ganz harten Kerle und Autoenthusiasten mögen jetzt einwenden, dass echte Männer auf jeden Fall Schaltgetriebe fahren, weil… Ja weil – WAS? Der gemietete Renault Duster ist kein richtiger Geländewagen und eignet sich von Grund auf nicht für das, wofür sich Männer mit kleinem Ego große Autos kaufen – und da kann man ja wohl ruhig auf Bequemlichkeit gehen. Außerdem bin ich kein Autoenthusiast. Und es war auch nicht geplant, den Wagen so an seine Grenzen zu bringen, dass man an irgendeiner Stelle mit Schaltgetriebe weiter und sicherer gefahren wäre als mit Automatik. Einen Abenteuerurlaub macht man mit anderem Gerät.

Da kein anderer Wagen verfügbar war, nahmen wir halt den.  Ein Upgrade (?!?) auf einen anderen Wagen wäre schön gewesen, denn so haben wir mehr bezahlt, als notwendig. Das nächste mal filme ich den Buchungsvorgang, damit wir wenigstens sicher das Geld für nicht erbrachte Leistung wieder bekommen.

On the Road…

Nachdem wir noch etwas Lebensmittel und Wasser an der nächsten Tankstelle gebunkert hatten, holten wir unser Gepäck und fuhren los gen Südwesten.

Die (ungefähre) Strecke von Windhoek zu unserem ersten Stopp. (Karte: Google)

Genauer gesagt fuhren wir erst ziemlich genau südlich in Richtung Rehoboth, um dann in die Berge nach Westen abzubiegen. Die Straße ging nach ca. 70km dann auch in Schotterpiste von noch relativ guter Qualität über; spätestens in den Hügeln im letzten Drittel der knapp 300km langen Strecke war dann aber zumindest für den ersten Tag Schluss mit Lustig. Mir schwante schon, dass der nächste Tag bis zum Nationalpark noch echt anstrengend werden würde.

Am späten Nachmittag kamen wir dann an unserem Ziel, dem Soft Adventure Camp – ca. 20km südlich von Solitaire – an. Die Örtlichkeit besteht aus zwei ca. 2km voneinander entfernten Ansammlungen von Unterkünften, wobei das Soft Adventure Camp aus großen zeltartigen Räumen besteht. Das Bad ist gemauert und schließt an das „Zelt“ an; dort ist man dann sozusagen „Natur lite“, da mit Moskitonetz verkleidete Freiräume zwischen Mauer und Decke frische Luft herein lassen. Im Winter bedeutet das natürlich, dass es dort dann auch recht kühl sein kann, wenn man Nachts mal raus muss.

Die  anderen Zimmer im „Haupthaus“, also dort, wo die Rezeption und auch das Restaurant ist, ähneln mehr einem Motel und weniger dem Safarizeltartigen Soft Adventure Camp. Hier gab es am Abend ein sehr nettes BBQ und am nächsten Morgen konnten wir uns hier unser Essenspaket holen, denn nach Sesriem beträgt die Fahrtzeit gut zwei Stunden und im Park (incl. Anmeldung) verbringt man auch einige Zeit, bis man an den markanten Stellen ist.

Die Umgebung zu beschreiben fällt schwer, die Bilder helfen vielleicht ein wenig – eigentlich muss man da gewesen sein. Am späten Nachmittag war es recht warm, keinesfalls unerträglich heiß, die Sonne schien an einem wolkenlosen Himmel und um einen herum war einfach nur wunderschöne Wüstenlandschaft; und still war es…

Nachtflug nach Afrika

2.8. – 3.8. Anreise und erster Tag in Windhoek

Am späten Nachmittag des 2. August brachen wir zum Hamburger Flughafen auf, nachdem wir unseren beiden Stubenti… LÖWEN Tschüß gesagt hatten. Drei Wochen würden sie ohne uns auskommen müssen – zum Glück haben wir aber sehr gute Freunde als Katzensitter, ebenso wie die Schwester meiner Freundin, die auch ab und an vorbei schauen wollte, um Streicheleinheiten zu verteilen (immer wieder praktisch, wenn die Arbeit in Mittagspausen-Laufdistanz liegt)…

Zubringer

Nach Anreise mit der S-Bahn am Hamburger Helmut-Schmidt Flughafen und einem Abstecher in die Apotheke (unsere Nobite-Bestellung hatte es nicht mehr rechtzeitig zu uns geschafft) ging es durch die Sicherheitskontrolle zum Gate für die Zubringer nach Köln. Eurowings bietet seit einiger Zeit einen günstigen Nachtflug direkt nach Windhoek an. Im Smart-Tarif ist sogar das Gepäck und Verpflegung, also ein warmes Abendessen und ein Snack als Frühstück nach dem gut 10-stündigen Flug, inbegriffen. Der Basic-Tarif macht meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn, wer fliegt schon so weite Strecken nur mit Handgepäck und ohne Verpflegung? Decken und Kopfkissen muss man sich aber auch im Smart-Tarif kaufen. Naja…

Auf das Inflight-Entertainment – natürlich für Geld dazubuchbar – haben wir mal verzichtet, wir wollten schließlich schlafen.

Geht’s weiter?

Wie erwartet war der Flug nach Köln mit weniger als einer Stunde sehr ereignislos. Dafür kam erst einmal Spannung auf, als wir zum Gate wollten: Es gab eine sehr lange Schlange vor der Passkontrolle und nichts bewegte sich. Das lag, wie wir messerscharf folgerten, am fehlenden Personal des Zolls. Nach gut zwanzig Minuten ging es dann aber los, nachdem ein paar Zöllner an uns vorbei schlenderten und sich noch etwas belustigt etwas wie „nanu, noch keiner da?“ von sich gaben. In der Zwischenzeit hatten wir uns die diversen (drei) verschiedenen Werbeclips einprägen können, die auf den riesigen Displays oberhalb der Passkontrolle liefen. Ich kann den Strombergtypen immer noch sehen, ich kann nur nicht sagen, wofür er Werbung gemacht hat. Ich fand das Wasser nicht zu türkis.

Die Abfertigung ging dann erstaunlich schnell vonstatten und nach kurzer Wartezeit begann dann auch das Boarding. Der Flug mit der Airbus A330 ansich war nicht der Rede wert. Da wir Plätze am Notausgang hatten, war Beinfreiheit kein Problem, lediglich wurde ich beim Essen, bei den Getränken und morgens beim Kaffee vergessen. Zuerst waren die Nudeln (Chickenornoodles?!?) aus – „Hole ich gleich!“ und der Steward verschwand die 20m zur hinteren Galley. Und vergaß dabei anscheinend, was er wollte. Bei den Getränken dann wieder dasselbe Spiel: Apfelsaft – „Hole ich gleich!“. Wäre mir mit Tomatensaft wahrscheinlich nicht passiert, was trinke ich auch so elitäres Zeug… Und morgens mit dem Kaffee wieder. Wahrscheinlich hat er mir da mit der nicht gelieferten Plörre sogar einen Gefallen getan. Kaffee im Flugzeug geht ja meistens gar nicht.

Ankunft, erste Geschäfte und Transfer

Die Einreise nach der Landung dauerte auch etwas länger, dafür gab es auch einen schönen Stempel in den Reisepass. Endlich Afrika!

Hinter der Zollschranke wartete auch schon unser Fahrer in die Innenstadt auf uns. Den Hinweisen aus diversen Internetforen folgend hatten wir uns entschlossen, den Wagen für die Fahrt erst am nächsten Tag abzuholen. Übermüdet in den wuseligen Linksverkehr zu gelangen sollte keine gute Idee sein. Wir hätten den Wagen sowieso nicht genutzt, da wir die Stadt besichtigen wollten. Noch kurz Geld vom Geldautomaten besorgen und los gings.

Die gut 50km vom Flughafen zu unserer Unterkunft „Hotel Pension Steiner“ dauerte eine knappe Dreiviertelstunde. Von Verkehr konnte auf der Schnellstraße keine Rede sein, in Windhoek selbst wurde es etwas voller, von chaotischen Zuständen war das Erlebte nun aber noch richtig weit entfernt.

Hotel mit Wachmann

Im Hotel angekommen – wir hatten es u.a. wegen der guten Bewertungen und der fußläufigen Nähe zum Autoverleih ausgewählt – mussten wir erst noch auf die Bereitstellung des Zimmers warten. Am Pool saßen wir also mehr oder weniger windgeschützt in der Sonne, so richtig Ferienstimmung kam aber noch nicht auf; es war noch ziemlich frisch. So hatte ich mir das trotz der vielen gelesenen Berichte dann doch nicht vorgestellt. Auch das Zimmer war recht kühl, es gab aber genug Decken und außerdem wollten wir ja sowieso nur dort übernachten.

Bevor wir zu Fuß in die Stadt aufbrachen, erkundigten wir uns, ob das auch sicher sei. Tagsüber – kein Problem. Nachts sollten wir lieber das Taxi nehmen. Aha. Was natürlich auch das automatische Tor und den Wachmann erklärte…

Vor dem Spaziergang buchten wir noch Taxi und Restaurant – laut Internet und Reiseführer sollte das NICE – ein Ausbildungsrestaurant- sehr gut sein.

Downtown

Windhoek als Stadt hat nicht ganz so viel zu bieten. Das war uns vorher bewusst, weshalb wir auch nicht enttäuscht waren. Es gibt einige schöne Häuser zu sehen, einige moderne Gebäude sieht man auch, aber touristisches Flair ist nicht zu spüren. Überhaupt scheint Gemütlichkeit nicht so groß geschrieben zu werden, Sitzgelegenheiten finden sich in der Innenstadt eben so wenig wie es Kaffees oder gar eine größere Auswahl an Restaurants gibt. Letztendlich schafften wir es aber doch, ein nettes Kaffee aufzutun; und wann bekommt man schonmal guten Filterkaffee? Ich war entzückt!

Abendessen im NICE

Zum bestellten Zeitpunkt kam natürlich kein Taxi, also kümmerte sich der Wachmann darum. Die Fahrt zum Restaurant dauerte gefühlt fünf Minuten; die Strecke über zwei Blocks hätten wir sicher auch zu Fuß bewältigen können und wahrscheinlich wäre es auch nicht sonderlich gefährlich gewesen. Rückblickend betrachtet haben wir uns in den besuchten Ländern Afrikas kein einziges Mal unwohl gefühlt.

Wie zu erwarten war, hatte es die Restaurantbuchung ebenso wie die Taxibestellung nicht vom Wunsch in die Realität geschafft, wir bekamen aber dennoch einen Platz. Ein weiteres Pärchen musste vorerst noch auf einen frei werdenden Tisch warten.

Das Restaurant ist sicher ein Ausbildungsrestaurant, was man an der zeitweisen Unsicherheit der Kellner bemerkte, die sich ab und an entschuldigten. Das Ambiente und vor allem die Qualität des Essens machen das aber mehr als wett; von allen Abendessen im Laufe er Reise war dies hier definitiv das Highlight. Mehr als unerwartet, aber definitiv eine Empfehlung. Da können sich diverse Restaurants in Deutschland mehr als eine Scheibe abschneiden.

 

This is the plan…

Reisevorbereitungen

Im August 2017 sollte sie endlich losgehen – unsere erste Afrikareise. Naja, die erste richtige Afrikareise, denn in Tunesien und Marokko waren wir ja schon. Da sich aber anscheinend in diesem Punkt alle einig sind, geht es bei Afrika nicht um das betreten des Kontinents, sondern darum, „dort“ gewesen zu sein. Und nicht im erweiterten Teil Europas, wie man anscheinend heute immer noch die nördlichen Staaten betrachtet.

Seltsam, wie imperial die Ansichten hier noch – meiner Meinung nach unrichtigerweise – sind…

Was ist „dort“?

Wo Löwen, Elefanten, Nashörner und Leoparden sind – natürlich! Safari-Style also! Natürlich friedlich, ohne Gewehr, nur mit Kamera und iPhone bewaffnet, um schöne Bilder zu machen.

Die eigentliche Planung begann eigentlich schon letztes Jahr, wobei wir den Plan aufgrund von beruflichen Veränderungen nicht umsetzen konnten und stattdessen eine längere Tour durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich machten; das Auto musste ja schließlich irgendwie nach Toulouse gelangen…

Dieses Jahr begann vor allem meine Freundin – die an Reiseplanung neben großem Talent auch noch Spaß hat – schon im März mit den ersten Anfragen für Lodges. Camping war seit eines etwas ins Wasser gefallenen Kanu-Abenteuers auf der Dordogne nicht unsere bevorzugte Präferenz. Da wir in den afrikanischen Winter/Trockenzeit aufbrechen wollten, um bessere Tierbeobachtungschancen zu haben (wenig Wasser, also sind die Tiere an den Wasserlöchen, so die Erfahrung), war uns durchaus bewusst, dass in der Nacht die Temperaturen empfindlich einstellig werden konnten. Am Besten bucht man noch eher, denn an einigen Stellen mussten wir Kompromisse eingehen.

Die Route

Im Folgenden stelle ich kurz die Tage der Reise vor, die uns durch die Länder Namibia, Botswana und Simbabwe führen sollte. Die Lodges/Hotels/Unterkünfte (wie gesagt – mit Camping sind wir vorerst eigentlich durch) haben wir alle vorweg gebucht.

02.08. Fug von Hamburg nach Windhoek (über Köln, Nachtflug)
03.08. Ankunft in Windhoek
04.08. Windhoek – Solitaire
05.08. Solitaire (Tagestour Sossusvlei, Deadvlei, Düne 45)
06.08. Solitaire – Swakopmund
07.08. Swakopmund – Uis (mit Umweg über Cape Cross)
08.08. Uis – Etosha Nationalpark
09.08. Etosha Nationalpark (Tagestour in den Park)
10.08. Etosha Nationalpark – Tsumeb (Selbsfahrt durch den Park)
11.08. Tsumeb – Rundu
12.08. Rundu – Katima Mulilo
13.08. Katima Mulilo – Kasane
14.08. Kasane (Tagestour in den Chobe Nationalpark)
15.08. Kasane – Victoria Falls (Transfer und Übernachtung vor Ort)
16.08. Victoria Falls – Kasane
17.08. Kasane – Gweta
18.08. Gweta – Maun
19.08. Maun (Tagestour ins Okavango Delta)
20.08. Maun – Ghanzi
21.08. Ghanzi – Windhoek
22.08. Windhoek – Hamburg (Über Johannesburg und Dubai)

Alles in Allem gut 4000km Fahrtstrecke, die wir mit einem Allradfähigen SUV (Renault Duster) zurücklegen wollten. Da wir keine Experimente mit Tiefsand und Vollpampa-Feeling geplant hatten, war das für uns der beste Kompromiss, der uns nicht zu sinnlosem Geldausgeben treiben sollte. Mehr für teuer geht auch in Afrika immer…

Wichtig war uns aber vor allem, dass es sich um einen Automatikwagen mit eingebautem Navigationssystem handeln sollte – deshalb buchten wir auch über FTI, u.a. auch wegen der Versicherungsbedingungen. Warum ich das hier erwähne?

Restprogramm

21.05.2016 Kuala Lumpur

Am Morgen des nächsten Tages hieß es wieder einmal früh aufstehen. Der tägliche Tapir war nicht zu sehen und so war das Frühstück ereignislos.

Wir setzten also über den Fluss, luden die Koffer in den Wagen – wir waren wieder einmal nur zu zweit mit Fahrer. Das hatten wir bisher schon öfter gehabt. Nach ca. vier Stunden Fahrt kamen wir dann auch wieder in Kuala Lumpur an – Stau. Das Taxi sollte uns nur bis Chinatown bringen, da wir aber an einer Bahnstation vorbei kamen und sowieso im Stau enden würden, stiegen wir hier schon aus. Das Meridien liegt an der Central Station (einfacher Weg zum Flughafen und sogar mit Gepäck Check-In, wie wir dann am Abend bei der Ticketbuchung feststellten), so dass dies die beste Option war.

Wir hatten ja noch etwas vor…

Tempel-Fieber

Das Meridien befindet sich in einem Komplex mit dem Baugleichen Hilton Hotel. Die Pool-Landschaft teilen sich beide Hotels.

Ohne großen Aufenthalt machten wir uns zum Restprogramm auf: Batu Caves, Blindenmassage und die Prozession zu Buddhas Geburtstag. Nicht viel Zeit, da die Batu Caves relativ weit weg liegen. Mit der Bahn machten wir uns also auf den Weg. Nach einer mehr als halbstündigen Fahrt waren wir am Ziel.

Zum Tempel geht es diverse Treppenstufen hinauf – ca. 300 sind zurück zu legen, bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit kam ich mir irgendwie vor wie auf der Wanderung zum Canopy Walkway am Tag zuvor. Der Tempel selbst ist nicht sonderlich aufsehenerregend; wenn er nicht in einer Höhle in luftiger Höhe liegen würde, wäre es den Weg auf keinen Fall wert. Ich habe den Tempel mal unter „kann man machen, muss man aber nicht“ verbucht; gerade auf Bali haben wir da interessantere Dinge gesehen.

Also ging es zurück in die Innenstadt…

Blind Massage

Die bekannten Massagesalons befinden sich in Brickfields, knapp 15 Minuten fußläufig von der Central Station entfernt. Einen Großteil der Strecke kann man durch die klimatisierte Mall zurück legen. Sehr praktisch nach der schweißtreibenden Wanderung.

Die Eingänge zu den Massagesalons waren sehr unscheinbar und wenig Vertrauenserweckend. Laut Reiseführer wäre das aber so korrekt, also gingen wir hinein. Rustikal beschreibt den Eindruck sehr gut. 70er Jahre Arztpraxis und seitdem nicht renoviert – auch. Aber ok, Blinde haben da natürlich andere Ansprüche als wir. Und schließlich kommt es ja auf die Fähigkeit und nicht auf das Ambiente an. Sauber sah es jedenfalls aus…

Ich mag Massagen eigentlich nicht so gerne, da ich jedoch auch nicht eine Stunde in der Arztpraxis sitzen wollte, um auf meine Freundin zu warten, und der Preis annehmbar war, machte ich mal mit. Vom Ergebnis bin ich begeistert – der Masseur ertastete sogar meinen Muskelfaserriss vom letzten September, der mir in Kuba etwas zugesetzt hatte. Ich bin mir nicht bewusst, dass ich zusammengezuckt bin, da das Ganze inzwischen komplett schmerzfrei war. Sehr entspannt verließen wir anschließend wieder das Gebäude.

Buddha’s Birthday

„Direkt um die Ecke“ sollte die Prozession zum Buddha Birthday starten. Also mischten wir uns unters Volk und betrachteten die letzten Vorbereitungen.

Die Stimmung lässt sich kaum in Worte fassen, daher hier ein paar Impressionen. Einige Videos haben wir auch gemacht; mal sehen, ob ich die hier noch integrieren kann.

Auf dem Rückweg zum Hotel nahmen wir noch etwas zu Essen in der großen Mall zu uns; die Auswahl nach etwas Gutem fiel etwas schwer, aber in Anbetracht unserer Erlebnisse in Mexiko und des bevorstehenden Rückflugs wollte zumindest ich nicht an den Straßenständen zugreifen.

Indoor Pool und Cocktails

Einen letzten Stopp hatten wir noch vor: Die SkyBar im Traders Hotel. Direkt gegenüber der Petronas Towers im – ziemlich obersten Stockwerk. Also mit guter Aussicht.

Diese ist wirklich beeindruckend. Wir hatten ja schon einen guten Blick vom „The Face“ Pool aus (mit und ohne Beleuchtung, wie berichtet), aber mit einem Cocktail in der Hand, bekommt das Ganze schon noch einen netten Touch.

Kurz vor Mitternacht waren wir dann auch wieder im Hotel. Koffer zusammen packen und ab ins Bett…

Rückflug

Den Morgen begannen wir um sechs Uhr mit einem Sprung in den Pool. Danach hetzten wir zum Frühstück (ich kann verstehen, dass unsere Kollegen gerne in dem Hotel absteigen – und das liegt wohl nicht nur an der Nähe zur Bahnstation), kehrten aufs Zimmer zurück und schnappten uns die Koffer, die wir dann direkt am Bahnhof aufgaben.

Vom Gepäck befreit ging es dann in den Zug zum Flughafen. Der Rest der Reise war ereignislos.

— ENDE —

(schön war’s)

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Kuala Lumpur – Dubai: Irgendwo knapp hinter Indien…

 

Wie King Louie im Dschungel

19.05.2016: Taman Negara

Das nächste Ziel war Taman Negara, direkt übersetzt „Nationalpark“. Sehr passend, wenn auch nicht ganz so aussagekräftig. Im Wesentlichen handelt es sich um den geretteten Teil des ältesten Urwalds von Malaysia.

Auf dem Programm standen eine Nachtwanderung und eine Tagwanderung; inkludiert auch eine Wanderung auf dem Canopy Walkway in luftiger Höhe.

Nach der langen Fahrt durch endlose Palmölplantagen – schon seltsam, der Weg zum ältesten Wald führt durch unpassendste Monokulturen bis ca. zwei Zentimeter vorher – setzten wir letztendlich zu unserem Resort auf der anderen Seite des Flusses über.

Das Abendessen nahmen wir direkt im Hotel zu uns – ein freundlicher Tapir leistete uns und den anderen Gästen dabei Gesellschaft. Die folgende Nachtwanderung war interessant, wenn auch etwas befremdlich für alle, die „mehr-als-zweibeiner“ nicht sonderlich ansprechend finden. Wirklich interessant: Schwarze Skorpione leuchten in Schwarzlicht gelb – und sind damit sehr gut zu sehen, wenn man sie nicht verscheucht und den Fotoapparat schnell genug in Anschlag nehmen kann, bevor jemand den Skorpion verscheuchen kann. Leider habe ich keine Bilder davon… Schade eigentlich.

Canopy Walkway

Mit einer kleinen Gruppe ging es am nächsten Tag in den Dschungel. Die Wanderung war mittelmäßig anstrengend und auch wenn ich gerne sagen würde, dass wir uns an die klimatischen Gegebenheiten angepasst hatten, stimmt das nicht. Nach kürzester Zeit waren wir wieder einmal nass geschwitzt.

Der Canopy Walkway in luftiger Höhe gab eine beeindruckende Aussicht in die Baumwipfel und nach unten auf den Boden. Das Gehen auf den leicht schwankenden Hängebrücken an sich war schon ein Erlebnis.

Abends nahmen wir das Abendessen in einem der schwimmenden Restaurants ein. Da sich mein Universalobjektiv am Nachmittag nun endgültig verabschiedet hatte,  waren weitere Bilder in der Nacht leider nicht möglich. Das verbliebene Objektiv war für die Dunkelheit leider nicht geeignet. Davon abgesehen war das 70-300er Objektiv für Nahaufnahmen auch nicht die beste Wahl.

 

Reif für die Insel

15.5.-18.5. Insel Palau Redang

Am nächsten Tag ging es nach einem ausgiebigen englischen Frühstück ins Taxi zur Ostküste. Ziel: Die Insel Palau Redang. Dort wollten wir zwei Tage bleiben, um danach für zwei weitere Tage auf die etwas weiter südlich liegende Palau Tenggol in ein weiteres nettes Resort umzuziehen. Mehr Eindrücke, mehr Spaß – so der Plan. Die Insel war nur zweihundert Kilometer südlich gelegen – dieses Detail sollte später noch wichtig werden -, es sollte also leicht möglich sein, dort hin zu kommen.

Die Fahrt führte über eine gut ausgebaute Highwaystrecke durch die Highlands. Nach etwa der Hälfte der Strecke wurde auf kleinere Nebenstrecken gewechselt, da der Bootsanlager für den Transfer nach Palau Redang etwas abseits liegt.

Dort angekommen mussten wir noch ca. eine Stunde warten; nach den Kühle der Highlands war es dort unten am Meer dann doch ziemlich warm, um nicht zu sagen unerträglich heiß. Mit dem Schnellboot ging es dann in affenartigem Tempo und einer halbstündigen – erfrischenden – Fahrt zur Insel.

Dort angekommen – im Wisana Village – bezogen wir unser wunderbar gekühltes Zimmer in einer der Hütten direkt am Strand. Vor der Hütte war eine Hängematte, einige Liegen fanden sich ebenfalls dort. Zusammengefasst: Großer Strand, geräumige Hütte und irgenwie zu wenig Leute, um sich auf die Nerven gehen zu können. Wunderbar…

Auf der Insel kann man richtig gut entspannen und „runter kommen“. Viel gibt es nicht zu tun und wozu ist ein Strand da? Zum Rumliegen, Sonnenbaden und Schnorcheln.

Apropos Schnorcheln: Am nächsten Tag machten wir eine Schorcheltour zu verschiedenen „Spots“. Insgesamt war die Tour bei weitem ergiebiger als viele andere – und teure – Touren. Beim ersten Spot konnten wir zwar nur wenige bunte Korallen, dafür aber jede Menge cooler Fische sehen. Beim zweiten Spot gab es dann sogar Meeresschildkröten. Dafür hatten wir auf den Seychellen richtig Geld ausgegeben, um dann…

… nichts …

… zu sehen.

Und nun drei große und eine kleine Schildkröte. Super!

Beim letzten Spot gab es dann weniger Fische und Schildkröten, dafür aber sehr schöne und bunte Korallen.

Am Nachmittag erklommen wir wir mit zwei einheimischen Jungs den Hügel der Insel, um die Aussicht zu genießen. Der Aufstieg war nicht so anstrengend wie unsere Orang Utan Tour in Bukit Lawang, reichte aber durchaus aus, um komplett durchgeschwitzt zurück zu kommen. Zum Glück war das erfrischende Meer ja direkt um die Ecke anzufinden.

Am nachfolgenden Tag wollten wir ja eigentlich abreisen – zusammengefasst wurde es etwas kompliziert, z.B. wenn die erste Fähre von Redang um 9 geht, die Fähren nach Tenggol um 8 und um 10 gehen und man zwischendurch noch 200 km und die halbe Stunde Fahrt im Boot zurücklegen muss, wird’s knapp – oder teuer. Für einen Privattransfer zu einem späteren Zeitpunkt waren 160 EUR im Gespräch.

Wir blieben also einen weiteren Tag und beschlossen auf der Hälfte der Strecke nach Taman Negara einen Stopp einzulegen. Auf die Weise hatten wir noch einen weiteren Tag im kleinen Paradies und verkürzten die Fahrt nach Taman Negara von sieben Stunden am Stück auf drei und vier verteilt auf zwei Tage.

18.5. Goat-Trip nach Cherating

Am folgenden Tag fuhren wir erst mit dem Boot wieder zurück zur Marina, stiegen in ein erstes Taxi, das uns dann zu einem zweiten Taxi fuhr. Am ATM in einer Tankstelle trafen wir noch eine nette Ziege. Goat Simulator 2.0 oder normal in Malaysia…

Wir kamen in Cherating in der Casa Titik an – das Hotel ist irgendwie verstörenderweise im Stil einer spanischen Hacienda gehalten. Aber da wir in Malaysia bisher einiges gesehen hatten, war das total in Ordnung. Zumal das ganze Ambiente wirklich nett war.

Das Highlight des Tages wurde uns vom Chef der Casa Titik vorgeschlagen. Ob wir uns schon um eine Firefly-Tour gekümmert hätten? Da wir uns ja mehr oder weniger spontan entschieden hatten, waren wir natürlich nicht komplett informiert. Aber Glühwürmchen klangen wirklich mal interessant.

Wir fuhren also zurm Fluss, stiegen mit Rettungswesten aufs Tourboot und los ging’s. Das Boot fuhr den mäandernden Fluss hinauf und nur der Mond beleuchtete die Szenerie. Zunächst war natürlich noch nichts zu sehen, aber die Magie kam.

Zunächst waren nur vereinzelt Lichtblitze im Dunkel zu sehen, fast so, also hätte man es sich nur selbst eingebildet. Nach einiger Zeit wurden die wenigen Blitze jedoch mehr und es wurde Gewissheit. Am Ende hatten wir mehrfach die Situation, dass ein ganzer Mangrovenbusch voller Glühwürmchen vor sich hinblinkte. Schön langsam und unregelmäßig.

Der Bootsführer blinkte mit seiner Taschenlampe und die ganzen Glühwürmchen kamen langsam zum Boot herübergeflogen und setzten sich auf die Reling und uns Insassen. Eines hat sich sogar auf meine Hand gesetzt.
Eine weitere Blinkfolge („Alarmsignal“) und alle Glühwürmchen flogen fix zurück zum Busch. Das war das unwirklichste und zugleich schönste Erlebnis in der Freien Natur, das ich bisher erlebt habe. Dabei hatte ich Glühwürmchen schon früher mal in Thailand gesehen.

Die unverhofften Erlebnisse sind oft die Besten im Leben, wahrscheinlich auch, weil man diese Momente nicht in Bild und Film festhalten kann…

Cameron Highlands

14.5.2016: Von Teebeuteln und Erdbeerplantagen

Der Fahrer des Vortages in Georgetown machte uns ein gutes Angebot, uns auch in die Cameron Highlands zu fahren. Offensichtlich mit der Hoffnung, uns dort dann auch den ganzen Tag fahren zu können. Da er offensichtlich und nach eigener Aussage mit den Highlands nicht wirklich vertraut war, wir jedoch nur den einen Tag eingeplant hatten, wollten wir lieber auf einen lokalen Fahrer setzen. Zeit mit der Suche von für einen Einheimischen offensichtlich bekannten Orten – und hey, wir sind auch nur dumme Touristen die das abklappern, was im Reiseführer steht – zu verplempern war letztendlich dann doch nicht drin.

Die Fahrt traten wir übrigens mit seiner Frau zusammen an; Gesellschaft und Zweitfahrer für die Rückfahrt. Die Highways in Malaysia sehen übrigens erstaunlich ähnlich zu deutschen Autobahnen aus. Sogar Rastplätze mit modernen Sanitäranlagen im europäischen Stil gibt es regelmäßig. Und letztlich bieten die Läden vor Ort in den Tankstellen (ich sage nur Shell Select Shop – genau wie bei uns) nur teilweise ein exotisches Angebot. Irgendwie fühlte man sich diesbezüglich gleich „heimisch“…

Touristenhochburg

Nach gut drei Stunden Fahrt kamen wir in den Highlands an gerieten erst einmal ins Stocken. Die in Serpentinen die Hügel hinauf und hinabführenden Straßen waren für das touristische  Aufkommen nicht ganz geeignet. Und so standen wir hier nur wenige Kilometer vor dem Hotel – im Stau. Großartig.

Das Hotel, Ye Olde Smokehouse, ist ein kleines Hotel im englischen Cottage-Stil und passt eigentlich so gar nicht nach Malaysia. Da die Highlands jedoch durch ihre Höhe angenehm kühl liegen – so können z.B. auch Erdbeeren hier wachsen und gehandelt werden, während sie ansonsten überall in Malaysia direkt verschimmeln – passt es dann irgendwie doch.

Nach kurzer Verschnaufpause und Willkommenstee ging es dann auch schon los. Mit dem ersten lokalen Taxi des Tages (sogar billiger als das Angebot unseres Fahrers aus Georgetown) ging es dann in Richtung BOH Tea Factory. Auch diese Fahrt dauerte aufgrund des hohen Touristenaufkommens „etwas“ länger. Da wir noch beim nächsten ATM vorbeischauen wollten, verzögerten sich die folgenden Stationen unwesentlich. Aber ohne Moos kauft man halt auch keinen Tee…

Zu Hochzeiten lehnen die Taxifahrer es ab, die Kunden zu den Plantagen und zur Teefabrik zu fahren, da die einfache Fahrt dann gerne mal drei Stunden dauern kann. Irgendwie verständlich, denn unser Trip dauerte auch knapp eine Stunde.

BOH

BOH steht für „Best of Highlands“ – die wohl berühmteste und größte Teefabrik Malaysias liegt inmitten der idyllischen Teefelder, die sich über die zahlreichen Hügel erstrecken.

Unser Fahrer konnte uns direkt auf den Hügel zum Teerestaurant und der Fabrikationshalle fahren; normalerweise geht man etwas zu Fuß. Anschließend führte er uns durch die Fabrik, um dann beim Wagen auf uns zu warten, während wir etwas Tee trinken und natürlich auch kaufen wollten.

Die Teefabrikation vor Ort ist weniger romantisch, als man es sich vorstellt – und ist auch sehr viel weniger zeitaufwendig. Mit einer speziellen „Zwei-Mann-Heckenschere“ werden die Teeblätter oben auf dem Teebusch abgeschnitten; von wegen handgezupft von gutaussehenden malaysischen Arbeiterinnen und Arbeitern in traditioneller Kleidung.

Der restliche Prozess von Auswahl, Trocknung und Fermentierung dauert nur wenige Stunden und ergibt so ein qualitativ höherwertiges Ergebnis als langwierige Trocknung an der Sonne, wo äußere Einflüsse negativ einschlagen können. Wie gesagt: Romantisch geht anders.

Wenig romantisch war auch unsere Teeverkostung. Das Restaurant ist wunderbar überhängend auf den Hügel gebaut und von der Terrasse hat man einen wunderbaren Blick über die Hügel und Plantagen. Im Inneren, Kontrastprogramm deluxe, wird der Massentourismus bedient. In bahnhofshallenmäßigem Ambiente wir Tee und Gebäck sehr organisiert und nahezu steril aus großen Teekochern (50l???) ausgeschenkt.

Schmecken tut der Tee allerdings sehr gut.

Irish Moos

Zweiter Punkt auf unserer Planungsliste war der Mossy Forrest. Noch etwas höher gelegen und fast in den Wolken führt hier ein Wanderweg in den Regenwald. Zunächst ist es ein beplankter und gesicherter Weg, danach wird es ein schlammiger Wanderweg.

Der Parkplatz oben am Peak war voll mit Fahrzeugen; aufgrund eines Events/Feiertags waren viele einheimische Touristen früh am Morgen aufgebrochen, um den Wald zu besuchen. Entsprechend der Witterungsbedingungen kamen sie uns dann auch voller Schlamm und abgekämpft entgegen. Mit einigen Frauen kamen wir auch ins Gespräch; zum Teil waren sie seit dem frühen Morgen unterwegs – mehr als acht Stunden! Mit Kopftuch und langer Kleidung sowie der notwendigen Verpflegung kein Zuckerschlecken. So begeistert wie sie alle waren muss sich der Trip aber auf jeden Fall lohnen!

Dampfschifffahrt

Letzter Punkt der Reise: Nach kurzer Pause ging es dann in der Dunkelheit ins nahegelegene Städtchen – Dinner Time! Wir wollten unbedingt dieses „Steam Boat“, eine lokale Spezialität (kommt aber aus China) ausprobieren.

Steamboat ist im Wesentlichen ein Holzkohletopf, der direkt auf den Tisch gestellt wird. Darauf steht ein Ringförmiger Topf, der „Schornstein“ in der Mitte bietet dann wohl den Anlass, das Ganze Steamboat zu nennen.

Fertig geschnittene Zutaten wirft man dann ins kochende Wasser und löffelt sich die gegarten Leckereien wieder heraus. Am Ende wirft man noch Nudeln ins Wasser und schlägt ein paar Eier hinein. Fertig ist die geschmackvolle Nudelsuppe!

Gut gesättigt ging es dann hinterher noch auf den Markt. Und dann war der Tag auch schon irgendwie zu Ende…

 

 

 

Boy-George-Town

13.5.2016: Britische Kolonialstadt – und Katzen!

Ein Tag für eine ganze Stadt? Und dazu noch eine weitläufige? Mit Hügeln? Ziemlich knapp bemessen, aber muss ja gehen.

Der Tag fing also recht zeitig mit einem ausgiebigen Frühstück an, bevor wir uns zunächst zu Fuß auf den Weg machten. Zunächst suchten wir den berühmten Glockenturm, bogen dann in Richtung Festung ab, am Rathaus vorbei in Richtung Innenstadt. Das Cheong Fatt Tze Building war leider nicht zu besichtigen – private Veranstaltung (Hochzeit) in Vorbereitung. Schade.

Die Entschädigung folgte quasi in der Straße um die Ecke – The Purrfect Cat Cafe; als Katzenbesitzer natürlich ein Muss und da wir sowas noch nie probiert haben, war das schon einmal etwas. Worum geht es? Im Wesentlichen kann man im Cafe Kaffee (und ähnliches) trinken – und davor und danach mit Katzen spielen. In einem mittelgroßen Raum tummeln sich 10-12 Katzen, schlafen und raufen, lassen sich streicheln und inspizieren die Besucher als auch ihre Besitztümer – so auch meine Kamera. Herrlich.

Wir schlenderten bei zunehmenden Temperaturen durch die Straßen, immer auf der Suche nach interessanten Tempeln, Moscheen und netten Cafés – am Abend fanden wir noch ein ganz besonderes.

Sehr interessant sind auch die vielen Street Art Installationen. Von aus Metall hergestellten Auszügen aus Comic Strips bis hin zu gemalten Wandszenen oder Kombinationen aus realen Gegenständen und Malerei (z,B. ein Fahrrad an die Wand geschraubt und dort den Fahrradfahrer aufgemalt).

Den Vormittag beendeten wir erst einmal an den Clan Jettys – auf Stegen gebauten Häusern und Märkten; irgendwie war nicht so richtig viel los, weshalb wir erst einmal zum Hotel zurück gingen und den Pool aufsuchten.

Den Nachmittag starteten wir mit Fahrer, zunächst zum Tempel Ke Lok Si. Die weitläufige Tempelanlage besitzt auch einen „Fahrstuhl“ zu einem großen Monument auf der Spitze eines der Hügel, die Georgetown säumen. Die nächste Station war dann der Penang Hill – super Aussicht, aber die Wartezeiten möchte ich zur Hauptsaison nicht miterleben. Das Anstellen zur Kabelbahn war schon extrem nervig und die Fahrt selbst hatte Sardinenbüchsenfeeling.

Letztendlich fuhr uns der Fahrer noch an das Nordwestende der Insel zu den – laut Reiseführer – berühmten Fischerdörfern. Meiner Meinung nach sehr enttäuschend; ein nettes Restaurant haben wir dort in der Ecke nicht gefunden und auch ansonsten war dort eher Tote Hose. Also ließen wir uns wieder eine Stunde zurückfahren.

Nach dem Abendessen machten wir uns wieder auf den Weg zu den Cland Jettys – außer dem Artikelbild (s.o.) ist hier aber nichts bei heraus gekommen, da die Läden abends anscheinend alle geschlossen sind. Nichts also mit Nachtmärkten und kitschigen Souvenirs. Schade.

Auf dem Rückweg zum Hotel wurden wir etwas von einem Gewitter überrascht – aber kein Problem, kehren wir doch einfach im Edelweiß ein. Einem zünftigen und total malaysisch-traditionellen Lokal. Geführt von einem Schweizer, seit gefühlten Ewigkeiten…

Kurztrips und Rasereien

12.5.2016: Rückfahrt und -flug nach Malaysia / Die Wilde Jagd

Der nächste Morgen begann so, wie wir uns eigentlich den ganzen vorherigen Tag vorgestellt hatten: Strahlender Sonnenschein, klare Luft, 32°C, alles Super. Nur mussten wir schon um 9.45 die Fähre nehmen, damit wir am Abend den Flug nach Georgetown in Malaysia nehmen konnten. Gute vier bis fünf Stunden Fahrt nach Medan waren anvisiert, dann noch Check-in Zeit, Security und Tüdelü.

Also blieb nur etwas Zeit, um Fotos zu schießen, ordentlich zu Frühstücken und dann auf die Fähre zu warten. Nach einer gut halbstündigen Fahrt waren wir wieder auf der anderen Seeseite.

Der „Vermittler“ von vor zwei Tagen holte uns am Bootssteg ab, regelte die Verladung  des Gepäcks in den Wagen und schon ging die WIlde Jagd los. Mit „Wilder Jagt“ meine ich auch wilde Jagt. Obwohl der Fahrer nach einigen Minuten Fahrt sich noch von seiner Frau und den kleinen Kindern verabschiedete, fuhr er wie der Henker. Wir sind ja durchaus Asienerfahren und wissen schon, warum wir immer gerne nicht selbst fahren (okay, da ist der Grund mehr oder weniger, dass man z.B. in Bali die Verkehrsschilder, sofern vorhanden, nicht lesen kann) – aber die Fahrt war so, wie man sich Asien vorstellt. Wahlweise hatten wir bis dahin noch nicht das richtige Asien erlebt.

Hupe und Gaspedal wurden ausgiebig, vor allem beim Überholen von Zweirädern und Autos, benutzt – um sicherzustellen, dass diese nicht auch gleichzeitig den Lastwagen, etc. zu überholen. Wäre ja auch verwegen anzunehmen, dass der Erste hinter dem langsamen Gefährt auch zuerst überholen darf…

Wir waren also mehr oder weniger permanent am Überholen, eingeleitet durch wildes Gasgeben und Hupen, dann wurde eventuell wieder gebremst, weil der Gegenverkehr das Manöver nicht zuließ (Chicken-out), um dann wieder von vorne. Irgendwie kam es mir vor, als ob die Straße irgendwie in jeder Fahrtrichtung eine Spur mehr hatte, als physikalisch vorhanden war. Quasi die Metaspur im Gegenverkehr. Nicht so gut.

Nach knapp unter dreieinhalb Stunden Fahrt kamen wir dann auch – viel zu früh – am Flughafen an. Glück gehabt. Am Flughafen checkten wir dann erst ein, versuchten noch, etwas Geld loszuwerden und kauften dann Postkarten.  Naja. Versuchten es wenigstens. Alle hässlich. Abgerundet wurde die Sache dann noch von meinem ersten „Wendy’s“ Besuch. Damals in den USA hatten wir das irgendwie nicht hinbekommen.

Nach einigen Stunden – der Flughafen gibt nicht sonderlich viel her, was Shoppingerlebnisse angeht, ging es dann an Bord der AirAsia Maschine. Am Flughafen kann man übrigens exemplarisch sehen, wie eine Fehlplanung aussehen kann, wenn die Naturgewalten einem einen Strich durch die Rechnung machen. Es ist jetzt nur so eine Vermutung, aber der Flughafen – so angenehm und nett er auch gemacht ist – ist zu groß. Nach dem Tsunami von 2004 ist der Tourismus vor allem in Indonesien und insbesondere Sumatra stark zurück gegangen, wahlweise ist er nicht so gewachsen, wie man beim Flughafenbau geplant hatte. Das Ergebnis: Leere Terminals, Leerstand bei den Läden und ansonsten wirkt der Flughafen seltsam unterbevölkert. Schade eigentlich, denn das Land kann Tourismus wahrscheinlich besser gebrauchen als weitere Palmölplantagen.

Nach dem nur 30-minütigen Flug kamen wir gegen neun (Malaysia ist eine Stunde voraus) Uhr in Georgetown an. Von der Stadt bekamen wir mit Ausnahme der gesitteten Fahrweise und den Lichtern der Stadt nicht mehr viel mit. Dafür hatten wir ja den nächsten Tag komplett geplant. Nach einem kleinen Cocktail ging es dann erst einmal ins Bett.